Presse

Mit den Großen im Fünfvierteltakt“

Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung vom 04. Oktober 2017 und online

Von Markus Zimmermann

  1. Mit dem Orchester mitspielen, den Takt mitklatschen, durften die Grundschüler beim Besuch der Generalprobe des Symphonieorchesters „Crescendo“ Foto: Markus Zimmermann

DENZLINGEN. Musik ist keine Frage des Alters, auch klassische Musik kann ein ganz junges Publikum ansprechen. So geschehen am Freitag im Rahmen einer Generalprobe des Freiburger Symphonieorchesters Crescendo im Denzlinger Kultur- und Bürgerhaus.

Bevor am Abend das „normale“ Konzertpublikum an der Aufführung von Peter Tschaikowskys Sinfonie Nr. 6 seine Freude hat, faszinieren die Studierenden der Musikhochschule mehr als 100 Grundschüler mit den Klangbildern des russischen Komponisten.

„Stellt euch vor, als Tschaikowsky vier Jahre alt war, also jünger als ihr, bekam er schon Klavierunterricht“, weckt Miriam das Interesse des jungen Publikums. Gemeinsam mit ihrer Orchesterkollegin Felicitas steht sie allein auf der noch menschenleeren Bühne und erzählt von dem Komponisten, davon, dass er manch bekanntes Werk und als sein letztes das Stück geschrieben hat, das gespielt werden soll. Doch wie, wenn keine Musiker da sind?

Gemeinsam mit dem Duo auf der Bühne wird das Ensemble zusammengestellt. Beginnend bei dem, der gar kein Instrument spielt, sondern nur einen Stock in der Hand hält. „Ich führe, zeige mit dem Stock, wer wann wie und wie laut spielen soll“, erklärt Dirigent Felix seine Aufgabe. Und auf einem kleinen Podest stehe er, damit auch die Musiker weiter hinten ihn und er sie noch sehen kann.

Wer aber gehört noch zu einem Orchester? Munter nennen die Gäste die Geigen, das Schlagzeug, Celli und Hörner, aber auch mal Gitarren und andere Instrumente, die nicht dabei sind. Stück für Stück bauen sie so mit der Moderatorin das Orchester auf und jedes Mal, wenn ein neues Instrument Platz genommen hat, stellt es sich mit ein paar Takten vor. Bis dann, ganz zum Schluss auch noch das Fagott auf die Bühne gerufen wird.

Eigentlich wäre jetzt alles komplett, doch so schnell werden die jungen Konzertbesucher nicht entlassen. Nein, vielmehr leitet Miriam sie an, einen Rhythmus zu klatschen. Schenkel, Bauch, Bauch, Brust und Brust – mit wachsender Begeisterung machen es ihr die Schüler nach und selbst Temposteigerungen meistern sie problemlos. „Solch einen Fünfertakt hat Tschaikowsky immer wieder und gerne genutzt“, erklärt sie. Zur Bestätigung wird, als der Rhythmus sitzt, gemeinsam konzertiert. Das Orchester spielt und die Schüler klopfen mit, immer schön der Führung des Dirigenten gehorchend. So was macht Spaß.

Der zehnjährige Simon ist so fasziniert, dass er dem Dirigenten in jeder Bewegung folgt, voller Begeisterung seine Hände schwingt. Auch Jara, neun Jahre alt, ist ganz begeistert. Unverkennbar: Manchen steckt die Musik im Blut und auch wenn das Klatschen auf Dauer anstrengend ist, wie die achtjährige Nelly erklärt, ist an Aufhören nicht zu denken.

Doch nicht nur den Kindern macht es viel Spaß. Das Symphonieorchester Crescendo lädt immer wieder Schüler zu Generalproben ein, teils auch ältere Jahrgänge, „um die junge Generation an klassische Musik heranzuführen und zu zeigen, dass diese eben nicht nur etwas für die ältere Generation ist, sondern auch für Jugendliche spannend und lebendig sein kann“, so Projektorganisator Christoph Heinicke.

Dass das keine Einbahnstraße sein muss, verdeutlicht Viola Grömminger. „Für uns ist es eine lebendige Abwechslung und manchmal bringt es auch Input“, so die Violinistin. Wie die jungen Zuhörer auf die Musik reagieren, an ihr teilhaben, ist für sie, weil sehr direkt, etwas Besonderes.
So bekommen die Musiker auch etwas gespiegelt und können mit den Kindern Erfahrungen sammeln.

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Talent aus Freiburg“

Dirigent Felix Mildenberger geht nach Paris

Di, 26. September 2017, erschienen unter http://www.ardmediathek.de/radio/Cluster-Das-Musikmagazin/Dirigent-Felix-Mildenberger-geht-nach-Pa/SWR2/Audio-Podcast?bcastId=12855006&documentId=46282258

5:20 min | 26.9. | 15.05 Uhr | SWR2

Dirigent Felix Mildenberger wird Assistent von Emmanuel Krivine, dem Chef des Orchestre National de France. Trotzdem bleibt der 27-Jährige seinem Studienort Freiburg verbunden und leitet hier das Symphonieorchester Crescendo. Bei den Proben hat Cosima Obert Dirigenten Felix Mildenberger gesprochen.

Audio herunterladen (9,77 MB | mp3)

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„Himmlische und irdische Freuden“

Mo, 11. April 2016, erschienen in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung http://www.badische-zeitung.de/klassik-2/himmlische-und-irdische-freuden–120605371.html
Wie das Freiburger Symphonieorchester Crescendo eine musikalische Brücke zu Flüchtlingen baut.
von Alexander Dick
Musik ist Kommunikation: Proben zum aktuellen Projekt Foto: Thomas Kunz

Es mag lapidar klingen. Aber Musik ist nun mal die einzige Sprache, die alle Menschen verstehen. Oder verstehen können. Vorausgesetzt, sie wollen. Ist das auch immer der Fall? Der Dirigent Felix Mildenberger spricht von einem großen kleinsten gemeinsamen Nenner: Singen, Rhythmus und Tanzen seien Elemente, die in allen Musikkulturen zu finden seien, unabhängig, für welche Geisteshaltung die jeweilige Musik stehe.

In diesem Sinne versteht der aus Wolfach stammende junge Künstler, der in Freiburg und Wien Dirigieren studiert hat und derzeit als Dozent für Orchesterleitung an der Freiburger Musikhochschule unterrichtet, seine Aufgabe auch als soziale: „Unsere Ursprungsidee“, erzählt er, „Musik zu machen, kam genau aus dieser Motivation.“ Womit er das Symphonieorchester Crescendo Freiburg meint, das er gemeinsam mit Musikstudenten, jungen Profis und Semiprofis vor zwei Jahren ins Leben gerufen hat.

Konsequent verfolgten Mildenberger und seine Mitstreiter die Verbindung von musikalischer Nachwuchsarbeit und sozialem Engagement schon bei ihrem ersten großen Projekt 2014, als sie zwei Benefizkonzerte zugunsten von Flüchtlingen und einer Waldorfschule gaben. Das aktuelle Projekt zielt ganz dezidiert in Richtung aktueller Probleme. Zwei Benefizkonzerte in Denzlingen und Freiburg widmen sich Flüchtlingskindern. So soll der Erlös – ausschließlich Spenden, denn der Eintritt ist frei – zwei gemeinnützigen Vereinen zugutekommen: der Freiburger „Initiative Schlüsselmensch“, die Patenschaften mit Flüchtlingskindern vermittelt. Und dem Verein „MusiCasa“, gegründet von Studierenden der Musikhochschule, der Kindern aus armen Familien Musikunterricht und Instrumente ermöglicht und vermittelt.

Aber primär findet die Musikvermittlung natürlich durch die Konzerte statt. Auf dem Programm stehen zwei Edelsteine der Klassik und Romantik: Beethovens Violinkonzert mit dem renommierten Geiger Nicolas Chumachenco als Solist und die 4. Sinfonie von Gustav Mahler mit der Sopranistin Felicitas Frische-Häbel. Bereits zu den Proben wurden (Flüchtlings-)Kinder und Jugendliche eingeladen, um mit der für sie oft genug neuen Materie klassische Musik erste Erfahrungen zu sammeln. Ob sie die „himmlischen Freuden“, von denen die Sopranistin bei Mahler singt, auch so empfinden können? Johann Kalvelage, der im Orchester Cello spielt und für die Organisation zuständig ist, sagt, dass es natürlich schon eine Frage sei, wie „open minded“, also wie offen, ein Zuhörer sei. Und dann zitiert er den Neurobiologen Gerald Hüther, von dem die Erkenntnis stammt: Neugier ist etwas, was jedes Kind hat. Bloß: „Die einen verlieren sie, die anderen nicht.“ Felix Mildenberger indes ist überzeugt: Wichtig sei, „dass die Jugendlichen aus verschiedenen Kulturkreisen lernen, miteinander zu kommunizieren und die Meinung anderer respektieren“. Und auch hierfür ist Musik, ist ein Orchester ideales Medium.

Konzerte: 11. April, 19.30 Uhr, Bürgerhaus Denzlingen; 15. April, 19.30 Uhr, Audimax der Universität Freiburg. Eintritt frei.


 

„Das Symphonieorchester Crescendo will mit Musik die Welt verbessern“

Mi, 06. April 2016, erschienen in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung http://www.badische-zeitung.de/freiburg/das-symphonieorchester-crescendo-will-mit-musik-die-welt-verbessern–120414773.html
VEREINT IM VEREIN: Im Symphonieorchester Crescendo musizieren Profis und Amateure auf hohem Niveau für einen guten Zweck.
von: Anja Bochtler
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Selbstorganisiert und engagiert: das Symphonieorchester Crescendo bei seiner Probe an der Musikhochschule. Foto: Thomas Kunz
WIEHRE. Auch wenn gestern die erste Probe fürs neue Programm war: Die 80 Musikerinnen und Musiker des Symphonieorchesters Crescendo haben viel früher losgelegt – für sich allein. Ihre gemeinsame Zeit zum Üben ist knapp, bis zum ersten Konzert am Montag stimmen sie sich täglich sechs Stunden aufeinander ein. Das klappt, weil die meisten Profis sind und an der Musikhochschule studieren. Doch sie wollen nicht unter sich bleiben, sondern andere für Musik begeistern und sich engagieren: Ihre Benefizkonzerte unterstützen Flüchtlingskinder.
Ihr relativ kleiner Probenraum an der Musikhochschule ist voller Instrumente, nach der kurzen Mittagspause kommen auch die dazugehörigen Musikerinnen und Musiker wieder dazu. Vorn steht Felix Mildenberger – 25 Jahre alt, freier Dirigent, er hat Orchesterleitung in Freiburg und Wien studiert und 2014 mit seinen Kolleginnen Johanna Herzog und Debora Preuß das Symphonieorchester Crescendo gegründet. Er lässt seine Musiker immer nur kurze Etappen der 4. Sinfonie von Gustav Mahler spielen – mal die Querflöten, mal die Streicher, mal alle zusammen. Zwischendrin gibt’s Anmerkungen: „Das muss extrem Stakkato sein, mit wahnsinnig viel Humor, das ist alles witzig gedacht“, oder „Fortepiano, ganz leicht“.
Wer hier mitspielt, braucht keine großen Erklärungen, die allermeisten sind Musikstudierende und spielen in Profi-Orchestern. Debora Preuß (24) zum Beispiel steht kurz vor ihrem Bachelor-Abschluss in Cello, Daniela Kohler (23) studiert Klarinette, Johanna Grözinger (25) Fagott. Doch es gibt auch ein paar wenige wie Christoph Heinicke (36), der Volkswirt ist und sich nur in seiner Freizeit auf sein Horn konzentrieren kann. Er kam 2014 bei den ersten Projekten des damals neu gegründeten Orchesters über einen E-Mail-Verteiler dazu: „Für mich ist es eine schöne Herausforderung, auf diesem Niveau spielen zu können.“
Für die Profis ist es entspannter: „Beim Hochschulorchester ist der Druck größer, hier traue ich mir mehr zu“, sagt Johanna Grözinger. „Die Atmosphäre ist schön, weil es keine Pflicht ist“, findet Daniela Kohler. Und weil die Projekte – meist eines im Jahr – immer in den Semesterferien stattfinden, können sich alle tagelang voll auf die Proben konzentrieren.
Außerdem bietet ihr eigenes Orchester den jungen Musikern Chancen: Felix Mildenberger, Debora Preuß und Christoph Heinicke sind im Organisationsteam, bei ihren ersten Benefizkonzerten 2014 haben sie zum ersten Mal alles selbst organisiert – von den Sälen bis zu den Sponsoren, die sie brauchen, um Mieten und Plakate bezahlen zu können. Für die Konzerte, die jetzt anstehen, gingen die Vorbereitungen vor mehr als einem Jahr los.
Sie selbst verzichten auf Gage, ihr Einsatz richtet sich in mehrfacher Weise an andere: „Die Grundidee war von Anfang an, positiv in die Gesellschaft hineinzuwirken“, sagt Debora Preuß. Zum einen, indem sie ihre Begeisterung für klassische Musik möglichst hürdenlos vermitteln wollen: Darum ist der Konzerteintritt frei, außerdem nehmen bei jedem Projekt Schülerinnen und Schüler an der Generalprobe teil – diesmal Denzlinger Grundschüler, die an die Musik von Gustav Mahler und die Orchesterwelt herangeführt werden.
Und dann sind da die Spenden, die – über den Dachverein „Zeug und quer“, zu dem das Orchester gehört – weitergeleitet werden: Mit den anstehenden Konzerten werden der Verein „Schlüsselmenschen“ und das Projekt „Musicasa“ unterstützt. Beide engagieren sich für Flüchtlingskinder.
Konzerte mit dem Symphonieorchester Crescendo: Montag, 11. April, 19.30 Uhr im Bürgerhaus Denzlingen und Freitag, 15. April, 19.30 Uhr im Audimax, Kollegiengebäude II der Universität. Mit dem Violinkonzert D-Dur, Opus 61 von Ludwig van Beethoven und Gustav Mahlers 4. Sinfonie. Eintritt frei, um Spenden wird gebeten.
 

 

„Da strahlten die Zuhörer“

Mi, 08. Oktober 2014, erschienen in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung  http://www.badische-zeitung.de/emmendingen/da-strahlten-die-zuhoerer–92456950.html
Orchester Crescendo begeistert sein Publikum auf ganzer Linie / Rund 1000 Euro Spenden für die Ausstattung des Schulorchesters.
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Das Orchester Crescendo gab für die Waldorfschüler auch eine Extra-Einführung. Foto: Schule
EMMENDINGEN (BZ). Mit anhaltendem Applaus und strahlenden Gesichtern honorierten die Besucher das fantastische Konzert des Orchester Crescendo in der Steinhalle. Das anspruchsvolle Programm aus dem Violinkonzert in D-Dur von Johannes Brahms und der „Schottischen Symphonie“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy brachte in überwältigender Klangfülle den Reichtum und die Schätze der klassischen Musik auf den Punkt.

Das Violinkonzert bereicherte Manuel Druminski. Der mit vielen Preisen und Anerkennungen ausgestattete Violinist und erste Konzertmeister des Philharmonischen Orchesters Freiburg überzeugte mit einer unglaublichen Einfühlung und Klangdichte. Mit einer netten Geste in Richtung des kleinsten gurgelnden und windelbepackten Besuchers vor seiner zeitgenössischen durchaus modernen Zugabe, ließ Druminski auch einen sympathischen Wink seines Humors erkennen. „Die ersten wenigen Minuten sind die ausschlaggebenden bei einem Konzertstück, hier entscheidet sich für mich, ob ich ’drin bin’ und mich ganz dem Stück hingeben kann,“ so Druminski, der gerne die Musik und weniger seine Person im Vordergrund sehen möchte. Dirigiert wurde das 50 Musiker umfassende Orchester von Felix Mildenberger. Zahlreiche Meisterkurse und die Zusammenarbeit mit einer ganzen Reihe von großen und namhaften Orchestern, ebenso Preise und Auszeichnungen auf nationaler und internationaler Ebene, zählen zu seiner Vita. Als Mitinitiator des Orchesters Crescendo und der beiden Benefizkonzerte, zeigte er als Dirigent ein wunderbares Feingefühl und eine reiche Empfindsamkeit im Umgang mit seinem Orchester und überzeugte mit einer grandiosen Aufführung. Das Orchester Crescendo hat sich nach mehreren hochschulinternen Projekten, die großen Zuspruch fanden, aus einer engagierten Gruppe heraus 2014 zu einem größeren Projekt zusammen geschlossen. Treibende Kräfte waren hierbei Johanna Herzog (Viola) und Deborah Preuß (Violincello), sowie Mildenberger, der mittlerweile die künstlerische Leitung des Orchesters übernommen hat. In kürzester Zeit hat sich das Orchester ein anspruchsvolles Repertoire erarbeitet. Besonders wichtig war den Musikern, dass es am Vormittag die Gelegenheit für eine Konzerteinführung für die Schüler der Waldorfschule gibt. Die Klassen sechs bis zwölf fanden sich inmitten von begeisterten und mitreißenden jungen Musikern, die sie teilhaben ließen an ihrer Freude an der Musik. Zunächst wurden die unterschiedlichen Instrumente vorgestellt, die ein so großes Orchester umfasst, darunter allein 25 Geigen. Eine Einführung in die Inhalte und Themen der beiden Musikstücke, einige biographische Anekdoten von Brahms und Mendelssohn und die Entstehung eines Konzertprogramms „von innen“ ergänzten die Einführung. Dazwischen bereicherten Klangbeispiele aus den Musikstücken das Vorgetragene. Zum Abschluss durften die Elft- und Zwölftklässler beim letzten Satz aus der „Schottischen“ dann auf der Bühne zwischen den Musiker platznehmen und von dort, mitten im Klangraum, lauschen. Insbesondere für die Schüler des Schulorchesters der Waldorfschule war dieses Erlebnis ein ganz besonderer Moment. Beseelt von der Begeisterung der Musiker und den wunderbaren Klängen nahmen zahlreiche Schüler auch abends die Gelegenheit wahr, das gesamte Konzert zu erleben. Trotz konkurrierender Emmendinger Musiknacht am selben Abend verzeichnete die Waldorfschule ein Benefiz-Spenden-Ergebnis von 1000 Euro, welches wiederum der Ausstattung des Schulorchesters zu Gute kommt, so die Schule in einer Pressemitteilung.


 

„Große Hilfsbereitschaft in Merzhausen“

Do, 09. Oktober 2014, erschienen in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung: http://www.badische-zeitung.de/merzhausen/grosse-hilfsbereitschaft-in-merzhausen–92509389.html
Bei einem Benefizkonzert im Forum werden für Flüchtlinge Spenden gesammelt.
von: Susanne Ehmann
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Bei einem Benefizkonzert, von der Gemeinde im Forum Merzhausen organisiert, wurden Spenden für Flüchtlinge gesammelt. Foto: Susanne Ehmann
MERZHAUSEN. „Wir verbinden zwei Zwecke miteinander: Musik und Hilfe.“ Immer mehr Menschen suchen im Land Schutz. Die Gemeinden wollen helfen, es entstehen Helferkreise, doch das Geld ist knapp. Was also tun? Die Gemeindeverwaltung in Merzhausen dachte sich: Warum nicht das Schöne mit dem Nützlichen verknüpfen? Der Saal des Forums in Merzhausen ist vollbesetzt, „eine „Punktlandung“, sagt Bürgermeister Christian Ante. Beim Benefizkonzert zugunsten der Flüchtlingshilfe Merzhausen ist der Eintritt für die Besucher frei – Spenden sind aber ausdrücklich erwünscht.

„Menschen fliehen nicht freiwillig, sie werden dazu getrieben ihre Heimat zu verlassen“, so Christian Ante in seiner Eröffnungsrede. „Wir wollen ihnen helfen, in der Fremde eine Heimat zu finden.“ Es tritt das vor knapp einem Jahr gegründete Symphonieorchester Crescendo auf, ein semiprofessionelles Orchester von gut 50 Musikern. „Die Musikhochschule war auf der Suche nach einer Spielstätte – dadurch entstand die Idee, ein Benefizkonzert zu veranstalten“, erzählt Christian Ante. Die Gemeinde stellt dem Orchester das Forum kostenlos zur Verfügung, die Einnahmen aus Speisen und Getränken sowie die Spenden gehen an die Flüchtlinge. Ante: „Streng genommen zahlt die Gemeinde sogar drauf.“ Die Mitglieder des Helferkreises arbeiten auch an diesem Abend ehrenamtlich, schenken Sekt aus, nehmen Jacken entgegen. Die Musiker verzichten ihrerseits auf eine Gage, wofür sich der Gründer und musikalischer Leiter des Orchesters, Felix Mildenberger, besonders bedankte. Denn viele der Musiker spielen in anderen Orchestern und haben einen vollen Stundenplan. Dennoch opferten sie ihre Zeit und probten seit einer Woche täglich geprobt. „Wir wollen mit der Aktion möglichst viel Geld sammeln und es dann dem Helferkreis zur Verfügung stellen“, erklärt Christian Ante. „Die Helfer stehen den Flüchtlingen am nächsten und wissen, wo was nötig ist.“ In Merzhausen herrscht große Solidarität, das bemerkt auch Robert Klebes vom Caritasverband Breisgau-Hochschwarzwald, Projekt Bleiberecht. Ausdrücklich lobt er das Engagement. Die Flüchtlingshilfe in Merzhausen gibt es seit Beginn des Jahres, im März hatte ein erstes Treffen stattgefunden. Damals wurden für die einzelnen Flüchtlinge Paten ausgewählt. Sie betreuen eine pakistanische Familie mit drei Kindern, eine alleinerziehende Nigerianerin mit zwei Kindern und zwei Männer aus Pakistan. Ein Asylbewerber aus Afghanistan ist weitestgehend selbstständig. Wie viele Flüchtlinge noch kommen werden, ist schwer abzusehen. Die Paten organisieren Wohnungen, Sprachkurse, Weiterbildung und Kurse für Kinder, helfen bei Behördengängen und der Suche nach einem Anwalt für Ausländerrecht, sie besorgen Fahrräder und Computer. So konnte eine fünfköpfige Familie in einer Wohnung des Bauvereins Breisgau umziehen. Aber besonders an Unterkünften mangelt es, weshalb Ante an die Anwesenden appelliert, Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Und: „Schonen Sie sich nicht – spenden Sie.“ Dann betritt das Orchester die Bühne und beweist, dass umsonst ganz und gar nicht minderwertig bedeutet. Mit dem Violinkonzert von Johannes Brahms und der Sinfonie Nr. 3 von Felix Mendelssohn Bartholdy versetzt es das Publikum in Begeisterung. Als die letzten Tönen verklingen, entbrennt Applaus, Pfiffe und Bravo-Rufe ertönen, der Fußboden erzittert vom Trampeln unzähliger Füße. Und auch Solist Manuel Druminski verzückt das Publikum mit seinem Violinspiel derart, dass es den Violinisten drei Mal auf die Bühne zurückrief. Beim vierten Mal bedankte der sich dann mit einem Violinensolo als Zugabe.



 

 

„Junge Musiker engagieren sich für Flüchtlinge“

Do, 02. Oktober 2014, erschienen in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung http://www.badische-zeitung.de/merzhausen/junge-musiker-engagieren-sich-fuer-fluechtlinge–92150709.html
Das Orchester Crescendo spielt am 4. Oktober im Forum.
von: Kathrin Blum
MERZHAUSEN. Gutes tun kann gut klingen: Den Beweis verspricht das Orchester Crescendo am Samstag, 4. Oktober, den Konzertbesuchern in Merzhausen. Das vor knapp einem Jahr gegründete Ensemble spielt im Forum zugunsten der Flüchtlingshilfe ein Violinenkonzert von Johannes Brahms und eine Sinfonie von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.

Viele sehen im Merzhauser Forum einen attraktiven Veranstaltungsort. „Deshalb bekommen wir sehr viele Anfragen von Interessenten, die dort auftreten möchten“, erklärt Bürgermeister Christian Ante. Vorrangig bekämen Merzhauser Vereine und Gruppen den Zuschlag, „schließlich wurde das Forum mit Mitteln der hiesigen Bürger finanziert“. Interessenten aus Freiburg hätten häufig das Nachsehen. Nicht so, wenn es sich wie beim Orchester Crescendo um eine Benefizveranstaltung handelt. Dafür stelle die Gemeinde das Gebäude kostenfrei zur Verfügung. Sie verzichte also auf Einnahmen, die Musiker auf ihre Gage. Der Erlös des Konzerts soll den Flüchtlingen in Merzhausen zugutekommen. Zehn Asylbewerber leben hier derzeit, „weitere sind angekündigt“, sagt Ante. Für die Unterbringung ist die Gemeinde zuständig, um die Integration kümmert sich zudem ein ehrenamtlicher Helferkreis. Dieser stellt zum einen allen Flüchtlingen einen Paten zur Seite, zum anderen organisiert er Fahrräder, Waschmaschinen, Fernseher oder auch Internetanschlüsse. „Eben solche Dinge, die durch den gesetzlichen Mindestanspruch nicht gedeckt sind“, erklärt Ante. Anlässlich des Konzerts wird der Helferkreis sich und seine Arbeit vorstellen. Das Orchester möchte ein Zeichen setzen „Die Benefizidee kam vom Orchester“, erklärt Rathausmitarbeiter Reinhard Vogt. Johanna Herzog, die das Ensemble gemeinsam mit Felix Mildenberger und Debora Preuß gegründet hat, bestätigt: „Es ist in unserem Sinn, dass die Einnahmen Flüchtlingen zugutekommen.“ Der Idealismus gehe vom ganzen Orchester aus. Dieses setzt sich aus 50 Musikstudenten und anderen Studierenden zusammen. „Wir möchten mit unserer Musik der Gesellschaft etwas zurückgeben“, so Dirigent Felix Mildenberger. „Angesichts der kulturellen Debatte – auch im Zuge der Fusionierung der SWR-Orchester – möchten wir mit unserer Musik ein Zeichen setzen und uns für soziale Projekte starkmachen, denn wir glauben, dass Musik Menschen bewegen und Steine ins Rollen bringen kann.“ Ein Anliegen des Orchesters sei es außerdem, junge Menschen für klassische Musik zu begeistern. „Wir haben lange überlegt, welches Programm wir spielen sollen“, so Mildenberger. Für das Brahm’sche Violinenkonzert habe man sich entschieden, „weil es eins der ganz großen ist“ – und weil sehr viel Kommunikation zwischen Orchester und dem Solisten stattfinde. Den Solopart übernimmt Manuel Druminski, Konzertmeister des Philharmonischen Orchesters Freiburg. Im zweiten Teil erklingt die Sinfonie Nummer drei, a-Moll, Opus 56, von Felix Mendelssohn-Bartholdy, die auch als Schottische Sinfonie bekannt ist. Mildenberger findet, dieses Werk könne Kenner und Laien gleichermaßen begeistern. Musiker, Gemeinde und Helferkreis sind gespannt, wie viele der 450 Sitzplätze im Forum gefüllt werden und wie viel Geld im Spendentopf landet. „Wir freuen uns über jeden Euro“, sagt Ante. Das Konzert beginnt am Samstag, 4. Oktober, um 20 Uhr im Forum, Einlass ab 19 Uhr. Schon heute treten die Musiker in der Steinhalle in Emmendingen auf.

 

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